Gerbrunn: Christa und Herbert Hummel feierten Eiserne Hochzeit

Die Gnadenhochzeit fest im Blick – Stoff für mehrere Spielfilme

GERBRUNN    Das Ziel, das sich Christa und Herbert Hummel gesetzt haben, ist klar: „Wir arbeiten auf unsere Gnadenhochzeit hin.“ Fünf Jahre sind es für das die dreifachen Groß- und zweifachen Urgroßeltern nur noch bis dahin. Am 29. September 2014 feierten die beiden Wahl-Gerbrunner Eiserne Hochzeit („den Festtag selbst verbrachten wir mit der ganzen Familie am Ammersee“, verrät Christa Hummel), sind also schon 65 Jahre verheiratet. Dauerhaft zusammengeschweißt hat das Jubelpaar wohl vor allem ihre Lebensgeschichte, die genug Stoff für gleich mehrere Spielfilme bietet. Vor allem Herbert Hummel scheint zudem ein Mensch zu sein, der nicht nach hinten blickt, sondern allen Schicksalsschlägen zum Trotz sein Leben und seine Zukunft in die eigenen Hände nimmt.
Kennengelernt haben sich die gebürtige Thüringerin und der Sachse im Tanzsaal. Für Christa war der aus amerikanischer Gefangenschaft geflohene Maler der erste Mann, Herbert Hummel hatte vorher schon eine Freundin gehabt. Heute noch Anlass für seine Frau, zu einer nicht ganz ernst gemeinten spitzen Bemerkung.
Die trickreiche und glückliche Flucht aus der Kriegsgefangenschaft sollte für den ehemaligen Soldaten und späteren Malermeister nicht die einzige Flucht seines Lebens bleiben. 1959 musst sich der heute 89-Jährige ein zweites Mal Hals über Kopf und mit den Kleidern auf dem Leib davonmachen. Mittlerweile zum Vorsitzenden der Produktionsgenossenschaft „Farbenfreude“ aufgestiegen, war er in den Fokus der Stasi geraten.
„Als Chef der Genossenschaft bekam ich ja u.a. Farben zugeteilt, an die man als Privatmann nicht rankam. Und weil ich die Reste auch verwendete, um für Privatleute mal einen Zaun oder eine Gartentür zu streichen, klagte die Stasi mich eines Staatsverbrechens an“, erzählt Hummel. Die eigentlichen Gründe waren wohl andere, vermutet er: Zum einen verdiente er gut. Man hatte ihn über die Steuerbehörde wenige Jahre zuvor schon mehr oder weniger gezwungen, den selbstständigen Handwerksbetrieb aufzugeben und eine Genossenschaft zu gründen, zum anderen hatte er sich stets geweigert, in die Partei einzutreten.
Als ihm ein Freund verriet, dass er ins Gefängnis nach Bautzen gebracht werden sollte, machte er sich noch in der gleichen Stunde über Leipzig und Berlin auf den Weg nach Hannover, wo seine Eltern schon 1950 hingezogen waren.
Seine Frau und die Tochter, die im Februar 1950, fünf Monate nach der Hochzeit ihrer Eltern zur Welt kam, musste er zwangsläufig erst einmal zurücklassen. „Es war geplant, dass ich versuche so viel wie möglich aus unserem Besitz zu Geld zu machen und dann nachkomme“, erinnert sich die 85-Jährige.

„Ich war so blöd und glaubte das“, Christa Hummel

 

Daraus allerdings wurde nichts. Zwar fand Herbert Hummel gleich Arbeit und schafft es auch, das seiner Frau mittels einer verschlüsselten Karte mitzuteilen, bei der aber stand schnell die Stasi vor der Tür. Und überredete die, doch ihren Mann zurückzuholen (die Reise sollte sie natürlich ohne die Tochter machen), weil man ihn doch brauche, alles nur ein Missverständnis gewesen sei. „Ich war so blöd und glaubte das“, sagt die Jubilarin. Ihr Mann aber war – wohl zu recht – skeptischer und riet ihr, zu Hause zu erzählen, sie habe ihn im Westen besoffen und mit anderen Frauen angetroffen und wolle nicht mehr mit ihm zu tun haben – und dann so schnell wie möglich mit der Tochter ebenfalls zu flüchten. Der Tag kam schneller als erwartet, dann nämlich als wiederum ein Freund der jungen Mutter steckte, dass man ihr den Pass abnehmen wolle, um sie daran zu hindern, in den Westen zu reisen.
Glücklicherweise gelang auch Christa die Flucht unbehelligt – und so kam das Ehepaar über Umwege schließlich in den Landkreis Würzburg. Dort hatten die Müllers, Christas Eltern, mittlerweile nämlich wie zuvor schon in Thüringen ihre Kränzchen-Kaffeerösterei aufgemacht.
Schon lange in Rente arbeitet Herbert Hummel aus Spaß heute noch immer – wie schon in der ersten Zeit direkt nach dem Krieg – als Kunstmaler und Restaurator für alte Möbel und pflegt das große Anwesen in der Gerbrunner Roßsteige, während seine Frau – wie der neben dem stellvertretenden Landrat Armin Amrehn zum Gratulieren gekommene Bürgermeister Stefan Wolfshörndl wusste – ihr Amt als „weltbeste Christstollenbäckerin“ mittlerweile aufgegeben hat. Aber den 70. Hochzeitstag, den haben sie beide fest im Blick: „Schließlich sind wir beide ja doch noch recht rüstig.“

Traudl Baumeister

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