Gerbrunn: Das Duo Lontano konzertiert in der Apostelkirche

Wertvolle Erzählkonzerte und das Spannende beim vierhändigen Klavierspiel

dr-juergen-appellGERBRUNN   Am Samstag musizieren sie in Frankfurt bei einem literarischen Abend mit dem Schriftsteller Peter Härtling, am Montag fliegen sie für ein Konzert nach Venezuela. Dazwischen ist das Duo Lontano, Babette Hierholzer und Jürgen Appell, am Sonntag, um 19.30 Uhr, in der Apostelkirche in Gerbrunn zu hören. Vierhändige Klavierwerke von Johannes Brahms, Richard Wagner und Felix Mendelssohn-Bartholdy stehen auf dem Programm – bei freiem Eintritt.

Sie sind auf Musikbühnen weltweit unterwegs. Wieso auch in Gerbrunn?

Jürgen Appell: Aus Verbundenheit zu dem Ort, in dem ich wohne, genauso wie in Berlin und Rom. Das ist mir einfach ein Herzensbedürfnis und macht große Freude.

Und Ihre Partnerin am Klavier macht da mit? Immerhin lebt sie in New York?

Babette macht gerne mit. Aber natürlich kommt sie nicht eigens für diese eine Konzert her. Wir binden das möglichst immer ein in eine ganze Reihe von Auftritten.

Babette Hierholzer in New York, Sie in Berlin, Rom oder Gerbrunn – wie üben Sie zusammen?

Beim vierhändigen Spiel übt man zu 90 Prozent seinen Part alleine zu Hause. Die restlichen zehn Prozent haben es aber in sich. Da gibt es dann beim ersten Zusammenspiel manch unliebsame Überraschung, weil der Fingersatz, den man sich zurecht gelegt hat, nicht funktioniert, man keinen Platz am Klavier hat oder gar der Partner einen Teil übernehmen muss, weil es anders nicht geht. Vierhändig an einem Klavier zu spielen, ist also durchaus eine spannende Sache – besonders in einem Duo Lontano (= aus der Ferne, italienisch).

Kommt Ihnen da ihr zweiter Beruf als Mathematiker an der Uni Würzburg zu Gute?

Nein. Es gibt immer wieder Leute, die behaupten Musik und Mathematik hätten viel gemeinsam. Das sehe ich ganz anders. Mathematisch in der Musik ist allenfalls das Stimmen der Instrumente oder manche Aspekte der Harmonielehre. Aber alles, was die Musik eigentlich ausmacht, das Sinnliche, Emotionale, die Psychologie der Musik, entzieht sich jeder mathematischen Beschreibung, lässt sich mathematisch nicht erfassen.

Musik ist also sozusagen ihr Hobby zum Ausgleich?

Eher würde ich sagen, sie ist mein zweiter Beruf. Ich habe sowohl in Mathematik als auch in Musik die volle akademische Ausbildung. Beide Bereiche stehen sozusagen gleichberechtigt nebeneinander. Unser Duo Lontano gibt es jetzt schon seit zehn Jahren. Wir kennen uns allerdings schon viel länger. Als Kinder hatten wir in Berlin die gleiche Klavierlehrerin.

Prof. Dr. Ulrich Konrad, der Ihren Auftritt moderiert, tut dies als Hochschulkollege?

Nein, wir haben uns über die Musik kennengelernt und sind seit Jahren Freunde. Babette und ich lieben zudem die in Amerika weit verbreitete Art des Erzähl-Konzertes. Wir finden es wunderbar, dass wir das in Gerbrunn zu dritt so anbieten können. Unsere Konzerte anderswo moderieren wir mittlerweile oft selbst in ähnlicher Weise wie er – unterhaltsam und gleichzeitig lehrreich –, weil wir das so lieben.

Was ist das Besondere daran?

Man findet neben dem musikalischen noch mal einen ganz anderen Zugang zu einem Stück, erfährt etwas über den Komponisten, seine Zeit, die Entstehungsgeschichte oder interessante Details drumherum. Außerdem hat das Erzählen den Vorteil, dass die Ohren der Zuhörer sich zwischen den Stücken ausruhen können.

Welches der vier Stücke am Sonntag ist ihr Lieblingsstück?

Die Ouvertüre der „Hebriden“ von Mendelssohn Batholdy, weil es einfach ein wunderschönes Stück ist. Brahms soll darüber sinngemäß gesagt haben, er würde auf alle seine Stücke verzichten, wenn ihm ein solches eingefallen wäre. Es wird auch auf unserer Mendelssohn-CD zu hören sein, die im Februar erscheint und die wir in Leipzig im Mendelssohnsaal des Gewandhauses eingespielt haben.

Internet: www.duolontano.com

Das Gespräch führte Traudl Baumeister

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