Wer an Gott glaubt, glaubt auch an Aschenputtel?

KinderglaubenWer an Gott glaubt, glaubt auch an Aschenputtel – unter dieser Überschrift wurde ein Artikel über eine Studie amerikanischer Wissenschaftler in der FAZ veröffentlicht. Tenor des Artikels: Kinder, die religiös erzogen werden, können nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden, glauben also an Gott ebenso wie an Aschenputtel (wobei da jetzt schon die Frage auftaucht, ob Gott jetzt für die Wissenschaftler zur Realität oder zur Fiktion zählt?).

Zuallererst fällt mir bei der Studie erst mal auf, dass sie offensichtlich nicht doppelblind gemacht wurde, also nicht in einer Kontrollgruppe Kinder befragt wurden, von denen die Wissenschaftler nicht wussten, ob sie einen konfessionellen oder nicht-konfessionellen Kindergarten besuchen … Dann scheint mir auch die Menge (60 Kinder!) nicht gerade repräsentativ-fähig zu sein. Außerdem werden keine Aussagen zu den konfessionellen Kindergärten getroffen, denn es gibt ja schon erhenliche Unterschiede in Erziehungs- und Glaubensfragen unter den Konfessionen und konfessionellen Trägern. Und wenn man die David-Goliath-Geschichte so erzählt wie in dem Artikel beschrieben, ist sie mitnichten religiös, geht es doch um etwas ganz anderes als um den Kampf gegen “Monster” …
Immer wieder hört man, “Kinder brauchen Märchen”, genauso, denke ich, wie wir Menschen Bilder und Gleichnisse brauchen, um nur ein kleines bisschen einen Gott verstehen zu können, der so groß ist, dass er für uns buchstäblich unbegreifbar ist und bliebt.

KinderglaubenDoch selbst wenn das alles nichtig wäre und die Studie in ihrer Aussage absolut wissenschaftlich unzweifelhaft, dann scheint mir die getroffene Aussage doch sehr zweifelhaft und hinterfragbar. Es beginnt schon mit der Definition, was ist real, was ist fiktiv? Ist ein Gott, den ich nicht sehe, aber den ich immer wieder spüre und erlebe als eine große Liebe, einen großen Rückhalt, ganz unanhängig von jeder Leistung fiktiv? Oder ist er für mich nicht Realität?

ist für ein Kindergartenkind die Erzieherin, die es für sich als absolute Instanz sieht, real oder doch in ihrer Allmächtigkeit nur ein fiktives, so nicht existierendes Wesen?

Und ist, wenn es nun schon mal angesprochen wird, Aschenputtel fiktiv oder ist die Geschichte von den armen, von der Familie ungeliebten Mädchen, das mit Hilfe seines liebenswürdigen Wesens und den dadurch gewonnenen Freunden einen Weg aus der Armut (materiell und seelisch) findet, doch ein reales Bild, eine reale Hilfe- auch schon für kleine Kinder?

Ich für meinen Teil glaube an Gott in der dreifachen Gestalt, an den für uns unbegreiflichen Gott, an seinen Sohn, den Teil von ihm, der sich bewusst in unsere kleine Welt begeben hat, um uns seine Liebe zu zeigen und an den großen Geist, der über die Erde, aber noch viel weiter weht, in für uns unfassbare Dimensionen. Und ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit dafür, dass ich kleines Menschlein von diesem Gott geliebt werde, dass ich Teil seiner Schöpfung bin, eingebettet in die Vielzahl aller Lebenwesen und doch einzigartig und von ihm erkannt. Ist das Realität oder Fiktion? Niemand kann das letztlich sagen. Aber ich kann es glauben – und das ist letzlich mehr als Wissen, denn das ändert sich mitunter mit jedem Erfahrungsgewinn.

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