Keine Beteiligung an der AG “Südliches Maindreieck”

Theilheim steigt aus der Allianz aus

(veröffentlicht am 24.7. in der Main-Post)

Der Paukenschlag im Gemeinderat Theilheim kam spät. Nachdem die Räte bei der Bebauungsplanänderung Reissgarten-Winterleiten, gut eine Stunde lang über Putzfarben, Zaunhöhen, Dachneigungen und Materialien und zusätzliche Stellplätze vor Garagen diskutiert hatten, wurde der siebte Tagesordungspunkt relativ schnell abgehandelt. Schmerzlos allerdings nicht. Nicht für jeden.

„Integriertes ländliches Entwicklungskonzept (ILEK) der Allianz „Südliches Maindreieck“, Gründung einer Arbeitsgemeinschaft und Einrichtung eines Allianzmanagements zur Umsetzung und Begleitung der einzelnen Projekte“, so hieß der Punkt auf der Tagesordnung. Der von Bürgermeister Hubert Henig (UWG) und der Verwaltung ausgearbeitete Beschlussvorschlag lautete, diesen kommunalen Zusammenschluss „als Strategie für eine gemeinsame Entwicklung der Allianzkommunen zustimmend“ zur Kenntnis zu nehmen und den Bürgermeister oder seinen Stellvertreter zu beauftragen, mit den anderen an der Allianz eine Arbeitsgemeinschaft „Interkommunale Allianz Südliches Maindreieck“ zu gründen.

Drei Jahre lang, erklärte Henig, werde dieses interkommunale Projekt zu 65 bis 70 Prozent gefördert. Insgesamt bestehe sogar sieben Jahre lang die Option auf finanzielle Unterstützung durch das Amt für ländliche Entwicklung.

Die Theilheimer überzeugte all das nicht. Die Abstimmung endete mit einem Patt (7:7) und damit der Ablehnung, in Abwesenheit des Gemeinerates Andreas Ganz (CSU). Theilheim hat sich damit praktisch aus der Allianz verabschiedet, noch bevor sie richtig ins Laufen kam.

Wortführer der Gegner war Erwin Pfeuffer (UWG). Er sah nur zusätzliche Kosten auf Theilheim zukommen, ohne konkreten Nutzen. „Das Konzept und seine Ideen passen nicht für uns“, gab auch Bernd Schmitt (SPD) zu bedenken. „Wir liegen räumlich am äußersten Rand und Nutzen haben nur die Gemeinden, die am Main liegen.“ Er bezeifelte, ob Ochsenfurt der richtige Standort für das Management sei. Pfeuffer war vor allem der finanzielle Aufwand ein Dorn im Auge. „Die Gelder sollten lieber in der Gemeinde bleiben, statt damit zusätzliches Personal zu bezahlen, dass ein Programm in die Wege leiten soll, von dem nur einige Gemeinden profitieren werden.“ Pfeuffer zog Vergleiche zur Städtebauförderung. Da sei für Theilheim bisher auch nicht wirklich etwas herausgesprungen.

Dass Henig noch einmal versuchte, deutlich zu machen, dass keiner Gemeinde durch diese Allianz ein Konzept übergestülpt würde, das sie nicht will, half nicht.

„Die Kosten berechnen sich zudem auf Grund der Einwohnerzahlen. Und alles liegt alleine an uns. Wenn wir nichts machen, haben wir auch nichts davon. Wenn wir aber Projekte angehen, dann bekommen wir durch den von uns mitfinanzierten Manager Hilfe dabei, entsprechende Förderungen ausschöpfen zu können“, appellierte er an den Gestaltungswillen seiner Gemeinderatskollegen und brachte das Beispiel Güntersleben ins Spiel. Ein Bürgerpark wie dort würde den Wohnwert in Theilheim steigern, auch ohne Main und Schiffsanlegestelle. Vergebens. Die Mehrheit blieb dem Bürgermeister versagt.

1 Kommentar

  1. Man stelle sich vor, viele Chöre beschließen gemeinsam ein Jahresprogramm. Jeder, so die Absprache, beteiligt sich, so gut er es vermag. Der Profi-Chor konzertiert mehrfach, der Hobbysingkreis gibt ein Hauskonzert und der Kinderchor lädt zum Sommerfest mit Sangeseinlage.

    Damit sich Termine nicht überschneiden, nicht alle das gleiche Liedgut auswählen und das Programm bekannt gemacht wird, bezahlt man einen Manager. Jeder nach seinem Vermögen, der Zahl der Sänger und der Auftritte.

    Als mit dem Vertragsabschluss das Projekt endgültig starten soll, mag der Männerchor „XY“ plötzlich nicht mehr. Eine ganze Oper schaffe man sowieso nie, womöglich würde aber genau das von einem verlangt und von der Werbung würden doch ohnehin nur die anderen profitieren. Man selbst habe ja nicht wirklich etwas zu bieten.

    Für mich ist Theilheim wie dieser Chor. Aus wenig nachvollziehbaren Gründen beraubt sich die Kommune mit dem Ausstieg aus der „Allianz südliches Maindreieck“ einer großen Entwicklungschance. Natürlich passen Ideen aus Ochsenfurt, Marktbreit oder Eibelstadt nicht unbedingt nach Theilheim. Gefragt sind eigene Ideen. Und anders, als wenn man wie jetzt beschlossen, „draußen“ ist, braucht man als Mitglied hauptsächlich Ideen – und bekommt dann Hilfe dabei, aus der Idee Realität werden zu lassen. Theilheim hat Potenzial. Zukunft aber nur, wenn es sich nicht modernen Zeiten verschließt. Die Tür ist erst mal zu. Hoffentlich findet die Kommune den Schlüssel, der sie wieder öffnet.