Mit Mäc Härder lud Miravilla zum achten Mal zum Kulturherbst

Der König von Franken und seine hart-herzlich Rhöner Kindheit

Kabarettist Maec Haerder REGION WÜRZBURG   Kulturherbst im Landkreis Würzburg, das heißt auch Kulturherbst in der Miravilla, dem Servicewohnen am Hubland und damit in der Stadt Würzburg. Mittlerweile schon zum achten Mal lud das Team der Wohnanlage zum besonderen Kulturgenuss ein. „Die Radieschen von oben“ war dabei nicht der Titel des stets dazu gehörenden, viergängigen Menüs von Chefkoch Roland Popp, sondern des Überlebensprogramms des Kabarettisten Mäc Härder. Der machte seinem Namen – gut fränkisch – alle Ehre und zeigte den rund 100 Gästen, die das Glück hatten, eine Karte zu ergattern, dass es immer „noch härder“ kommen kann.

Zwischen „Fingerfood“ und Vorspeise erzählte er als Nachtwächter im Jahr 2064, in der noch immer von Angela Merkel regierten Bundesrepublik, von Fahrradwegen, die alle in Rollatorstrecken umgewandelt wurden, dem Berliner Kukidentlauf, der auf 4,2 Kilometer verkürzt den Marathon ersetzt oder Bundestrainer Bastian Schweinsteiger mit seinem Assistenten Yogi Löw, dessen tatsächliches Alter niemand mehr feststellen könne.

Im silber-glänzenden Anzug – „den habe ich auch noch in gold, blau und rot und er hat k_1-IMG_0912viel weniger gekostet als meine Schuhe – da sehen Sie mal wie teuer Frauen sind“ – erklärte er dann, wie viele Festtage er zu feiern wüsste, hätte er nur noch ein Jahr zu leben. Seinen eigenen Frankenfeiertag beispielsweise am 7. März , der gleichzeitig „Tag der gesunden Ernährung“ und „Tag des Schweinebratens“ ist. Letzteren aber gab es im Anschluss nicht auf die Teller, sondern „Zander über den Radieschen“.

Vor dem Hauptgang dann rückten der Bamberger und sein Publikum immer näher zusammen. Mit seinen Anspielungen auf die begrenzte Zeit, die „Radieschen von oben zu betrachten“ sowie der Rückschau auf seine Rhöner Kindheit, „voller Arbeet“ und bestimmt von der in sehr wenige Worte passenden fränkischen Herzlichkeit, griff er wohl Erinnerungen auf, die denen seiner Zuhörer stark ähnelten. Auch seine persönlichen Familienerlebnisse – „Kinder sind Terroristen“ – erntete er viele zustimmende Lacher.

k_1-IMG_0885Nach der „Gefüllten Entenkeule auf Zwetschgen-Apfel-Chutney“ schließlich konnte der Komiker und Jongleur seinen Platz auf der Bühne gar kurzzeitig an Leute aus dem Publikum abgeben, so rege reagierte Letzteres auf den kleinen Rundkurs durch fränkische und andere Dialekte.

Als Mäc Härder sich schließlich nach „Schokoladentörtchen mit Mandeleis-Parfait und Gewürzorangen“ als fränkischer König feiern ließ und in gekonnter Zungenakrobatik die in Franken völlig überflüssigen Buchstaben „p, t, und k“ abschaffte, gab es kein Halten mehr: Längst waren da im ganzen Saal Taschentücher zum wichtigsten Utensil geworden, um sich die Lachtränen aus dem Gesicht zu wischen. Klar, dass der „König von Franken“ nicht ohne Zugabe von der Bühne kam – über deren Art das Publikum sogar noch selbst abstimmen dufte – und sich dank des Durchhaltevermögens der Weiblichkeit für die Variante „mit vier Männern“ entschied.

Und so endete der rundum erfolgreiche Abend mit einer erstaunlichen Akrobatiknummer von den mehr oder weniger freiwillig zu Bühnenstars mutierten Gästen Bernd, Manfred, Alex und Georg.

Traudl Baumeister

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