Rottendorf: s.Oliver spendet für Tschernobyl-Kinder

Warme Jacken nicht nur für Anna und Angelina

Was da wohl drin ist: Anna und Angelina Warme Jacken für Angelina und Annaeue   Katja und Tanja ROTTENDORF (trab) Anna und Angelina (beide zehn Jahre) waren die Ersten. Mit ihrer Gastmutter Irene Löffler aus Hammelburg sind sie dem Bus mit weiteren rund 50 weißrussischen Kindern vorausgeeilt. Mit strahlenden Augen öffnen die beiden Mädchen die knallroten Tüten, die im s.Oliver Outlet auf sie warten. Flugs ziehen sie Shirt, Jeans und Jacke heraus, um sofort hineinzuschlüpfen. Mit einem lauten „Danke“ fällt die impulsivere der Beiden, Angelina, ihrer Gastmutter strahlend um den Hals. Anna streicht indes verstohlen über die neue dicke, warme Jacke.
Für alle, die in dem Bus aus Wollbach (Lkr. Rhön-Grabfeld) sitzen, der wenig später in Rottendorf ankommt, wartet im Outlet ein solches Outfit. Ebenso kostenlos wie für Anna und Angelina. 5000 Euro lässt sich das die Geschäftsführung von s.Oliver kosten.
Warum? – „Das war ein spontaner Entschluss auf eine Anfrage“, erklärt Geraldine Kahl, von der Presseabteilung der Firma. Ins Rollen gebracht hatte alles die Gastmutter von Anna und Angelina. Weil die beiden Mädchen für drei Wochen in Deutschland lediglich zwei Hosen und zwei T-Shirts dabei hatten, fragte die Geschäftsfrau bei s.Oliver nach, ob denn ein Rabatt möglich sei, wenn sie die Kinder dort neu einkleiden würde. „Wenn schon, dann alle“, beschlossen die Veranwortlichen des Modehauses spontan. Und so wurden alle 55 Kinder und die neun Betreuer, die sie begleiteten, neu eingekleidet.
Normalerweise wohnen sie alle in Shitkowitschki (Weißrußland). Von 19. Juli bis 9. August weilten sie auf Einladung des Vereins Hilfe nach Tschernobyl e.V. Wollbach im Kreis Rhön Grabfeld. Wie viele andere Kinder vor ihnen waren die Vier- bis 16-Jährigen in Gastfamilien untergebracht.
„Bei uns wissen nur wenige, dass drei Viertel des strahlenbelasteten Regens nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl in Weißrußland niedergegangen sind“, erläutert Stefan Zehfuß, Vorsitzender des Vereins, die Hintergründe. Die Kinder, die der Verein jedes Jahr einlädt kommen genau aus dieser Region. Sie wohnen mit ihren Familien noch immer da, wo, so Zehfuß, „eigentlich niemand wohnen sollte.“ Die Gesundheitsrisiken sind nach wie vor viel zu hoch, auf der Homepage spricht der Verein von einem um teilweise bis zu 800 Prozent erhöhten Erkrankungsrisiko. Doch die Familien der Kinder sind zu arm, um wegzuziehen. Wen wundert es angesichts dessen, dass Anna und Angelina und viele ihrer Kameraden nicht gerade das Heimweh plagt. Dass sie lieber noch beiben statt nach Hause fahren wollen?Kinder aus Weißrussland„Wer Geld hatte, lebt schon längst nicht mehr dort“, so Zehfuß, der die Menschen und die Gegend von vielen Hilfskonvois kennt, die er dorthin begleitet hat. Mit Lebensmitteln, Kleidung, Fahrrädern und Medikamenten. Durchschnittlich 150 Euro verdienen die Menschen dort, berichtet Zehfuß. Angelina und ihr neues Outfit„Doch viele Lebensmittel kosten genausoviel wie bei uns“. Zudem, erzählt er weiter, bekämen die Menschen dort erst seit zehn Jahren Jodtabletten und Schilddrüsenmedikamente gegen die Strahlenbelastung vom Staat bezahlt, zuvor waren sie auch hier auf Spenden angewiesen. Insgesamt 1720 Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen 23 Jahren die Gastfreundschaft in der Rhön genossen, sich drei Wochen in der gesunden Luft dort erholen und regenerieren können. Gastfamilien für die nächsten Jahre und Spenden, wie jetzt die von s. Oliver, werden nach wie vor gebraucht von dem Verein, der alle Aktivitäten von Beginn ehrenamtlich selbst stemmt.

Stefan Zehfuß
Mehr Infos dazu gibt es in Internet unter www.tschernobylhilfe-wollbach.de.

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