Tausende bei der Lindelbacher Kirchweih

Typisch herbstliche Freuden und Kunsthandwerkliches lockten

LINDELBACH  Der 92-jährige Lindelbacher Korbmacher Hans Hölzer hatte nicht zu viel versprochen: Die Sonne strahlte bei der zwölften Lindelbacher Kirchweih vom Himmel, als wollte sie den kühlen Sommer an einem einzige Tag vergessen machen. Auch Hans Hölzer strahlte: „So oft wie heute bin ich meinem ganzen Leben noch nicht fotografiert worden”, verriet er. Jeder, der in der Ankündigung zu dem Lindelbacher Ereignis des Jahres über ihn gelesen hatte, wollte ihn aufs Foto bannen.

„Theilheim ist ausgestorben, wir sind alle hier”, fröhliche Besucher aus dem Nachbarort

Gut, dass sich die Veranstalter der Lindelbacher Liste entschlossen hatten, die Ortsdurchfahrt ganz zu sperren: Schon ab 12 Uhr flanierten Hunderte Menschen durch die Hauptstraße mit den vielen malerischen Steinhäusern. An ein Durchfahren war da nicht zu denken. Auch nicht für die vielen, die sich per Fahrrad auf den Weg gemacht hatten. „Theilheim ist ausgestorben, wir sind alle hier”, riefen sich Besucher aus dem Nachbarort fröhlich zu.

Das Angebot an diesem wahrhaft goldenen Herbtstag war aber auch zu verlockend. Da luden die typischen herbstlichen Freuden zum Genießen ein, vom Federweißen über Zwiebel-, Apfel oder Zweschtgenblootz, gebrannte Bio-Mandeln, allerlei Obstliköre und -gelees, Kren (ungeschwefelter Meerrettich) zum Mitnehmen in den heimischen Kühlschrank, Äpfel, Birnen – und Walnüsse. Die dazu gehörigen Bäume schmücken scheint’s in Lindelbachn viele Gärten, den nahezu an jedem Stand gab es die prall gefüllten Säckchen.

Daneben leuchteten in sattem Rot, Orange oder Gelb Herbstkränze und Blumen, schmückten liebevolle Arrangement aus Kürbissen, Astern und Hagebutten Höfe und Tore. Letztere standen auf der ganzen Festmeile allen Besuchern offen – und gewährten manchen sonst unmöglichen Einblick. Da erklärte beispielsweise Olaf Greshake, der erst im letzten Jahr mit seiner Familie nach Lindelbach gezogen ist, die ansprechende Kombination der alten Nebengebäude mit dem fast komplett neu hochgezogenen Wohnhaus davor. Seine Frau Iris verkaufte inzwischen Selbst-Hergestelltes, unter anderem zu Gunsten der Lindelbacher Spielekiste. Die steht auf dem Spielplatz des Dorfes und enthält Schaufeln, Förmchen oder Tischtennisschläger, eben alles, was man dort so braucht, und jedes Kind kann sich einfach daraus bedienen.

In der Wäldleinstraße 2 hingegen hat der Mieter des Anwesens mit großem Inennhof und Garten gerade ganz besonderen Besuch: Seine Vermieterin ist mit ihrer Tochter gekommen, um zu bestaunen, was er aus ihrem einstmals so geliebten Garten gemacht hat: „Sie haben vollendet, was ich angefangen habe”, lautet der überzeugende Kommentar.

Während Oliver Liedtke, stellvertretender Bürgermeister von Randersacker und ebenfalls in Lindelbach zu Hause, vor seinem Haus Bier und Federweißen ausschenkt und Meefischle und geräuchterte Forellen verteilt, erklärt Therese Mangiagli an ihrem Patchworkstand wie man die selbst genähten Massagekissen am besten verwendet.

„Bisher ist das Nähen für mich nur ein Hobby, quasi als Therapie nach der Arbeit”, sagt die Heilerziehungspflegerin, die das Jahr über ihre Waren bei der Mutter in der Eibeltädter Postfiliale ausstellt. Ein paar Häuser weiter überzeugen hingegen die professionellen Töpfereien von Thomas Henle, ob Krüge, Schüsseln oder kunstvoll geschwungene Firstziegel nach normannischem Vorbild.

Ums Eck lässt sich Mona von Loreno aus der M10a schminken, während Katharina aus der M10b anderen Kindern gerade bei der Auswahl berät.„Unsere Lehrerin hat uns gefragt, ob wir beim Kinderschminken mithelfen”, erzählen die Mittelschülerinnen.

Kirchweih in Lindelbach, das ist eben ein Fest von und für das ganze Dorf, vom Profi bis zum Laien, jeder trägt irgendetwas zum Gelingen bei, vom kleinen Konrad, der sein beim Flohamrkt verdientes Geld gleich wieder beim Stand mit den Holzspielwaren an dem Mann bringt über Martina Felsmann alias „Henriette”, die mit ihren Köstlichkeiten aus Küche und Garten gerade erst in die Karriere startet bis bin zu Profis wie Gerhard Muck, der mit seinen Holzteppichen nach Maß mitterweile so erfolgreich ist, dass er über die Werktstatt hinaus im Frühjahr die Ladeneröffnung in Obernbreit plant.

Traudl Baumeister

Kommentare sind geschlossen.