Theilheimerin unterrichtet Deutsch in der ilatienischen Partnergemeinde

gisela-umbach-vigolo-vattaro (3)Zwei abwechslungsreiche Wochen in Vigolo Vattaro,  der Partnergemeinde im Trentino

THEILHEIM   Arbeits- aber auch erlebnisreiche Tage liegen hinter Gisela Umbach. Vor Beginn der Osterferien hat die Rentnerin aus Theilheim zwei Wochen lang in Vigolo Vattaro, der italienischen Partnergemeinde von Theilheim, Deutschunterricht gegeben. Tatsächlich kam die 69-Jährige in dieser Zeit auf 36 Unterrichtsstunden pro Woche. Als Belastung hat sie es trotzdem nicht empfunden. Eher im Gegenteil: „Es war eine wunderbare Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte.“
Die Begeisterung rührt zum einen daher, dass sie von den italienischen Partnern sehr herzlich und liebevoll aufgenommen wurde. Die Gastgeber hatten dafür gesorgt, dass es ihr in der kleinen Wohnung direkt über der örtlichen Bibliothek und neben der Schule, die ihr die Gemeinde zur Verfügung stellte, an nichts mangelte. Neben dem nötigen Geschirr hatten sie u.a. Essig, Öl, Nudeln und einen prächtigen Blumenstrauß bereit gestellt.
Zum anderen verliefen die 14 Tage äußerst abwechslungsreich. Vormittags war sie in der sogenannten Mittelschule. Diese besuchen im Trentino alle Kinder nach den fünf Grundschuljahren weitere gemeinsame drei Jahre. Alle lernen dort Deutsch und Englisch als Fremdsprache, jeweils drei Stunden in der Woche. Weil die Klassen zudem nach Leistungsvermögen differenziert werden, hat ein Sprachlehrer zwischen vier und 15 Schüler vor sich. „Da kann man wirklich optimal arbeiten“, sagt Umbach, die in Deutschland viele Jahre Erfahrungen mit Deutschunterricht für Ausländer sammelte.
Mit „ihren“ Schülern unterhielt sie sich über die Gemeindepartnerschaft, erklärte wie es dazu kam, warum sie nach Vigolo gekommen war und erzählte von ihrer Wahlheimat Theilheim. Seit 1995 lebt sie mit ihrem Mann dort, der zuvor schon an der Uni in Würzburg lehrte „Ich bin ihm nachgezogen als die Kinder in Stuttgart mit der Schule fertig waren“, berichtet Umbach.

„Es war eine wunderbare Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte.“ Gisela Umbach

 

Beeindruckt zeigt sie sich von den Innovationen in der Landwirtschaft der Region.
„Tourismusbetriebe, die zu mindestens 80 Prozent Erzeugnisse aus eigener Produktion anbieten, müssen dort weniger Steuern zahlen“, erklärt sie. Das führe dazu, dass immer mehr junge Menschen die Landwirtschaft wieder für sich entdecken und selbst Wurst, Säfte, Eier etc. produzieren. Nachmittags brachte sie zwei Stunden täglich Mitarbeitern dieses „Agri-Tourismus“ allerlei Sätze und Redewendungen bei, die im Umgang mit deutschen Gästen und Kunden wichtig sind.

Vigolo Vattaro
Die Partnergemeinde von Theilheim auf der Hochebene Vigolana in der Provinz Trentino hat rund 2.300 Einwohner. Nach Trient sowie zum Caldonazzo-See sind es nur wenige Kilometer. Aus Vigolo Vattaro stammt Amabile Lucia Visintainer (*16.12.1865, + 9.7.1942). Sie wanderte mit ihrer Familie 1875 von Vigolo Vattaro nach Brasilien aus, wo sie 1880 die Kongregation der Kleinen Schwestern von der Unbefleckten Empfängnis gründete. Die Kongregation hat ihren Sitz in Nova Trento im Bundesstaat Santa Catarina im brasilianischen Süden. Dort ist ein großer Teil der Bevölkerung deutschstämmig. Die Heilige Pauline wurde von Johannes Paul II. 1991 selig und 2002 als erste Brasilianerin heiliggesprochen.

„Das ist eigentlich für mich so gar nicht typisch“, gesteht sie mit einem Lachen. „Eigentlich komme ich eher von der Grammatik her.“ Am liebsten, fährt sie fort, liest sie in grammatikalischen Büchern, um Sprachen zu vergleichen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten auszumachen.
Um solche Feinheiten ging es bei den Jüngsten im Kindergarten freilich auch nicht. Ihnen gehörte jeweils eine weitere Stunde am Nachmittag. Da die meisten noch keinerlei Deutschkenntnisse hatten, standen u.a. einfache Lieder auf der Tagesordnung. Beispielsweise „Bruder Jakob“, weil es ihn in vielen Sprachen gibt, oder das deutsche Lied „Große Uhren machen tick-tack“.
Daneben hatte sie sich vorgenommen, den Kindern die Zahlen beizubringen. Anhand eines Bilderbuches, mit Spielen, Gedichten, Bastel- und Malaktionen. Beispielsweise zeichneten die Kinder ihre aufs Papier gelegten Hände nach, um anschließend gemeinsam laut die Finder zu zählen. „Hilfreich war dabei, dass es eigentlich in jeder Kindergartengruppe mindestens ein Kind gab, dass schon Deutsch konnte, weil es zu Hause zweisprachig aufwuchs.“
Doch auch neben ihren Unterrichtsstunden gab es jede Menge zu entdecken, berichtet Umbach. So nahm sie u.a. an einer Begegnung mit einer brasilianischen Delegation aus Novo Vigolo Vattaro teilt, die gekommen war um die „Casa Paulina“ zu sehen. Das Haus also, in dem die Heilige Paulina (siehe Infotext) geboren und aufgewachsen war. „Wer weiß“, sinniert sie, „vielleicht kommt Theilheim auf diesem Weg ja auch noch zu einer brasilianischen Partnergemeinde.“
Außerdem, schwärmt die Theilheimerin, bietet die malerisch gelegene Hochebene des Trentinos jede Menge Freizeitvergnügen. Bergwanderungen, Fahrradtouren, Wassersport auf dem See, ausgiebige Spaziergänge – sowie eine hervorragende und sehr regional geprägte Küche. „Ich kann eigentlich jedem nur wärmstens empfehlen, hier einmal Urlaub zu machen“, so Umbach. Deutschkenntnisse sind in der Region in jedem Fall jetzt noch ein bisschen mehr vorhanden.

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