Ulrich Körber: Aus Theilheim zu den Special Olympics

Nach dem Unfall begann der lange Weg zurück ins Leben

Ulrich Körber

Ulrich Körber

THEILHEIM   Geboren wurde Ulrich Körber am 5. Juni 1976. Vor elf Jahren allerdings feierte er fast so etwas wie einen zweiten Geburtstag. Ein schwerer Motorradunfall mit Schädel-Hirn-Trauma und mehreren Brüchen änderte vieles im Leben des Elektrikers, der zuvor gerade auf dem Sprung in die Selbstständigkeit war.
Nach fünf Tagen im Koma begann damals der lange Weg zurück ins Leben. Laufen lernen, sprechen lernen, die Erinnerung so weit möglich wieder zurückholen – das waren die Aufgaben, denen sich der junge Mann von da tagtäglich stellen musste. „Gott sei Dank ging es dabei aber von Anfang an stetig voran“, erinnert sich seine Mutter Margarete Körber.

Nachgefragt

Was ist Ihre liebste Freizeitbeschäftigung?
Spiele online und offline, im Internet surfen und soziale Medien nutzen.

Mit wem würden Sie am liebsten mal einen Tag verbringen?
Mit Dirk Nowitzki.

Was würden Sie sich für Ihren Arbeitsplatz wünschen?
Nichts. Dort bin ich wunschlos glücklich.

Wenn Sie die Macht hätten, die Welt zu verändern, was würden Sie ändern?
Dass es keinen Krieg mehr gibt.

Was ist Ihr größter Wunsch für Ihr künftiges Leben?
Eine Frau zu finden und eine Familie zu gründen.

Bis heute fehlen ihrem Sohn einige Monate, kann er sich weder an den Unfall noch an die Zeit davor erinnern. Verschüttet ist damit auch die Erinnerung an den oder die Gründe, warum die Beziehung zu seiner Freundin kurz vor dem Unfall zerbrochen war.
Mittlerweile ist das längst Schnee von gestern, hat sich der 38-Jährige gut eingerichtet in seinem neuen Leben. In der eigenen Wohnung und mit der Arbeit als Elektriker in den Mainfränkischen Werkstätten. „Natürlich auf einem ganz anderen Niveau als früher“, bedauert er, „aber so ist es halt.“
Weil zu seinem neuen Leben auch jede Menge sportliche Betätigung gehört, wurde Ulrich Körber jetzt auf besondere Weise geehrt: Bürgermeister Hubert Henig hob seine Leistung beim Neujahrsempfang der Gemeinde hervor. Der Theilheimer hatte im Frühjahr an den Special Olypmpics teilgenommen, einem nationalen Wettbewerb für Menschen mit geistigen Behinderungen. In Düsseldorf wurde der Theilheimer Vierter beim Straßenradrennen über die Kurzdistanz (fünf Kilometer) und kam auch über die zehn Kilometer-Strecke unter die besten zehn.
Trainiert hatte er dafür zuvor im Sportverein der Mainfränkischen Werkstätten „InSport“ sowie in der Aerobic-Gruppe der Werkstätten im Fitnesstudio Lifestyle. Beide Trainingseinheiten stehen ebenso fest auf Körbers Wochenplan wie Krankengymnastik und Ergotherapie. Unter anderem gehört zum Angebot von „InSport“ auch das Radfahren. Eine erstaunliche Wahl für einen Mann, dessen Bein komplett zertrümmert war und der sich heute noch mit einer Spastik herumschlagen muss, die ihm als Erinnerung an den schweren Unfall geblieben ist.
„Früher“, daran erinnert sich Körber noch, „bin ich nicht besonders viel Rad gefahren. Nur so wie es Jungs halt so tun. Im Ort rum oder auch mal nach Würzburg.“ Heute aber macht es ihm Spaß, sich aufs Rad zu schwingen und das nicht nur im Fitnessstudio, sondern auch um draußen im Freien Strecken zurückzulegen.
„Wer sich trotz körperlicher Beeinträchtigung wieder aktiv am Leben beteiligt, beweist Mut und Energie“, lobte Bürgermeister Hubert Henig den sportlichen Einsatz Körbers. Der selbst, gerade weil Vieles im seinem Leben nicht mehr so so selbstverständlich ist wie früher, die kleinen Höhepunkte um so mehr zu schätzen weiß und bereit ist, dafür zu kämpfen und den inneren Schweinehund immer wieder zu überwinden.

Traudl Baumeister

Kommentare sind geschlossen.