Die Folgen der digitalen Landvermessung für den Weinbau

Schwarzpflanzungen im Weinberg

Weinberge in RandersackerRANDERSACKER   Mit einer ungewöhnlichen Bitte trat ein Winzer in einem Schreiben an die Gemeinde Randersacker heran: Er forderte die Gemeindevertreter auf, eine Lösung für die „Bereinigung von Schwarzpflanzungen von Weinreben auf Gemeindeflächen zu finden“.

Schon die Begrifflichkeit „Schwarzpflanzung“ erhitzte die Gemüter im Bau- und Umweltausschuss. Von Schwarzpflanzungen, so Otto Schenk (ÖDP), selbst ebenfalls Weinbauer, könne man keinesfalls sprechen. Denn tue jemand etwas „schwarz“, setze das ja eine Betrugsabsicht voraus. Das jedoch treffe hier in keiner Weise zu.

Alles dreht sich darum, dass vor einigen Jahren Franken digital vermessen wurde. Diese Messungen offenbarten unter anderem, dass auch Weinberge vielerorts von der im Grundbuch eingetragenen Größe abweichen. So kommt es, dass einzelne Weinstöcke oder Rebenzeilen auf Grund und Boden stehen, der eigentlich dem Nachbarn bzw. der Gemeinde gehört. Wobei, da waren sich alle Räte und der Bürgermeister einig, dahinter keinesfalls böse Absicht steckt, sondern schlicht und einfach die Historie.

Terrassen, Wege und Mauern grenzen seit vielen Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten die einzelnen Weinberge ein. Hat ein Winzer eine solche Fläche gekauft oder gepachtet und neu bepflanzt, so hat er sich an diesen gewachsenen Gegebenheiten orientiert. „Schließlich gab es damals keine digitale Vermessung, sondern man hat Land in Ellen, Fuß oder ähnlichem gemessen“, erklärt Schenk.

Wer allerdings heutzutage Wein anbaut, braucht ein so genanntes Pflanzrecht. Weil in Deutschland auch Wein nicht in unbegrenzter Menge angebaut werden darf, wird dieses pro Quadratmeter Fläche erteilt. Ist ein Weinberg jetzt aber größer als bisher im Grundbuch festgelegt, besteht genaugenommen auf den überzähligen Quadratmetern kein Pflanzrecht. Daher also der Begriff Schwarzpflanzung. Rein rechtlich, erklären die Winzer im Ausschuss ihren Kollegen, ist Wein, der von einer Fläche ohne Pflanzrecht kommt, nicht verkehrsfähig, darf also nicht verkauft werden. Wobei natürlich kein Winzer Wein aus einzelnen Stöcken macht.

Konkret, ergänzte Bürgermeister Dietmar Vogel, gehe es beispielsweise bei insgesamt sechs Grundstücken des betreffenden Winzers um insgesamt 600 Quadratmeter, insgesamt seien im Ort aber wohl mehr als 70 Grundstücke betroffen. Die geforderte Lösung könnte so aussehen, dass die Gemeinde die betreffenden Flächen an die Winzer verpachtet oder verkauft. Denn Pflanzrecht beantragen kann der nur, legt er eine Besitzurkunde oder einen Pachtvertrag vor.

Wie genau das aber jetzt ablaufen soll, zu welchen Bedingungen Pacht oder Verkauf über die Bühne gehen sollen oder können, dazu will sich der Markt jetzt erst mal fachliche Beratung von den Fachleuten der Landesanstalt für Wein- und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim holen. „Schließlich ist das ein Problem, das nicht nur uns in Randersacker, sondern Winzer in ganz Franken betrifft“, vermutet Otto Schenk nicht zu unrecht.

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